Einstieg

Hermeneia ist ein altgriechisches Wort. In altgriechischer Schrift sieht es auch wirklich beeindruckend aus: ἑρμηνεία. Es bedeutet Interpretation oder Auslegung oder Erklärung. Dabei geht es darum, etwas verständlich zu machen, was nicht auf Anhieb verständlich ist. Das Ergebnis der Erklärung darf nicht beliebig sein, sondern muss sehr genau das beschreiben, was zuvor unverständlich war. Es gibt also richtige und falsche Erklärungen, Auslegungen und Interpretationen.


Auf diesen Seiten möchte ich Texte der Bibel auslegen. Dabei versuche ich, verständlich zu erklären, was möglicherweise nicht unmittelbar verständlich ist. Oft liegt der Schlüssel zum Verstehen im Hintergrundwissen über die Bücher der Bibel, ihre Zeit, ihre Kultur. Manchmal ist es nötig, einiges zu wissen, was außer dem vorliegenden Text sonst noch in der Bibel steht. Bisweilen ist es wichtig, dass man die Sprache gut versteht, in der der Text geschrieben wurde, und warum er im Deutschen gerade so lautet und nicht anders – oder vielleicht gerade doch anders, weil er in der einen Bibelübersetzung so und in einer anderen Bibelübersetzung eben anders steht.


Ich werde hier auch Texte einstellen, die falsche Auslegungen darstellen und zeigen, warum sie falsch sind. Dabei besteht natürlich die Möglichkeit, dass ich mich irre. Meine Argumente werde ich deshalb stets belegen, sodass sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann. Mir soll also niemand blind vertrauen. Es gilt auch hier wie bei jeder Bibelauslegung: »Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind, denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen« (1Joh 4,1).


Außer den Erklärungen zu Texten des Alten und Neuen Testaments werde ich auch bisweilen Texte zur Kirchengeschichte einfügen. Auch dort ist manches nicht auf Anhieb verständlich und bedarf einer Erläuterung.


Bei alledem ist es wichtig zu wissen, dass ich ein Christ bin. Ich schreibe also meine Erklärungen als einer, der an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glaubt. Eine erste Möglichkeit, meinen Glauben konkret zusammenzufassen, bietet das Apostolische Glaubensbekenntnis:


Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.


Dieser Glaube eröffnet mir wie jedem Christen trotz der Fehler, die Menschen zwangsläufig unterlaufen, grundsätzlich die Möglichkeit, die Texte der Bibel so zu verstehen, wie sie verstanden werden wollen. Deshalb gilt auch hier die Empfehlung, die Paulus den Thessalonichern gab: »Prüft aber alles, behaltet das Gute, meidet das Böse in jeglicher Form« (1Thess 5,21-22).


Caveat lector: Aus lizenzrechtlichen Gründen zitiere ich keine bekannte Bibelübersetzung, sondern übersetze alle Bibeltexte selbst aus dem Hebräischen, Aramäischen oder Altgriechischen. Dadurch erklären sich gegebenenfalls die Abweichungen zum Wortlaut der etablierten Bibelübersetzungen. Am Sinn der Texte wird das in aller Regel nichts ändern.


© Oliver Roman 2014